Das Crasciniaci-Projekt

Genealogische Sammlungen des 5-Dörfer-Archivs der früheren Gemeinde Gressenich
Stolbergs Stadteile: Gressenich, Mausbach, Schevenhütte, Vicht und Werth

Ernest Musser

Ernest Musser

männlich


Angaben zur Person    |    Quellen    |    Alle    |    PDF

  • Name Ernest Musser 
    Geschlecht männlich 
    Leben & Wirken Ernest Musser erinnerte sich an seine Kriegserlebnisse in Schevenhütte. "Es war gegen 2 Uhr nachts. Ich hatte die ganze Zeit am Gewehr verbracht und war jetzt in meinem Schützenloch eingeschlafen. Die Deutschen Soldaten, die wie eine Bande Apachen schrien, weckten mich auf. Ich hob den Regenmantel, den ich über das Schützenloch gespannt hatte, hoch um zu sehen was los war. In diesem Moment ging unter Maschinengewehr los und rieß den Regenmantel weg. Der Schütze muß wohl geglaubt haben, daß ihn ein Deutscher holen wollte. Die Deutschen blieben eine Weile und warfen Handgranaten in Richtung unserer Maschinengewehrs, aber sie kamen nie nahe ran. Dann drängten sie weiter den Berg Richtung Schevenhütte runter. Als es ruhig wurde schlief ich wieder ein. Bei Tagesanbruch wurde ich wach und schaute mich vorsichtig um. Ich konnte nur einen deutschen Sanitäter sehen, der sich verschiedene Körper entlang der Straße ansah und von mir weg in Richtung Gressenich ging. Das war’s, dachte ich mir. Unsere Jungs haben sich zurückgezogen und ich sitze jetzt hinter der feindlichen Linie. Ich kroch bis zur Maschinengewehrposition. Das MG war noch da, aber jemand hatte die hintere Schutzplatte entfernt und das MG wurde dadurch unbrauchbar. Der deutsche Sanitäter verschwand und von beiden Seiten war niemand zu sehen. Ich kroch in mein Lock zurück und beabsichtigte wieder hinter die eigenen Linien zu kommen. Es wurde wieder dunkel und nach einiger Zeit kamen meine Kameraden, als ob nichts gewesen wäre, wieder einer nach dem anderen zurück. Ich fragte nie wo sie waren. Augenscheinlich waren alle deutschen Soldaten, die uns einen Besuch abgestattet hatten, umgekommen oder gefangengenommen worden als sie versuchten ins Dorf einzudringen.

    Die Straße von Gressenich war ein Zugang, der von den Deutschen genutzt. Ein anderer Weg war die nördliche Straße, die über einen bewaldeten Hügel nach Hamich führte. Der dritte Zugang von westen war durch das Tal von Langerwehe. Das 1st Platoon war für dafür zuständig. Wir standen mit dem 1. Battalion auf unserer Linken in direkter Verbindung. Dieses lag auf der Höhe mit Blick auf Gressenich.

    Nicht weit hinter uns lag ein kleines Steinhaus. Wir erhielten unser Trinkwasser aus einer Quelle im Garten und waren mit zwei älteren Frauen bekannt, die dort wohnten. Diese sahen ziemlich hungrig aus. Wir brachten ihnen immer etwas Kekse wenn wir uns Wasser holen gingen. Eine Tages hatten sie ein einen frisch gebackenen Apfelfladen für uns. Die anderen Jungs dachten die lieben Alten würden versuchen sie zu vergiften und fürchteten sich ihn zu essen. Somit hatten ich alles für mich alleine. Ich habe nie einen besseren Apfelfladen gegessen.

    In meinen Karabiner setzte ich nicht viel Vertrauen. Während einer Nacht hörte ich jemanden redend und lachend hinter uns den Berg hochkommen. Ich kam mir vor als ob diese Personen einen Spaziergang durch den Park machten. Zuerst dachte ich es wäre einer unserer Jungs gewesen, der im Dorf zuviel getrunken hatte. Aber als sie vorbeigingen und den Zaun überkletterten erkannte ich ihre deutsche Ausrüstung. Ich wurde sehr nervös, unsicherte meine Waffe und feuerte einen Schuss ab. Dann rannte ich zu einer besseren Position um erneut zu schießen, erkannte jedoch, daß ich statt die Waffe zu entsichern, das Magazin ausgeworfen hatte. Die Waffe war leer. Glücklicherweise riefen die Deutschen nach Verstärkung. Ich griff mir ein M1 Gewehr und kurz darauf begann ein deutsches Maschinengewehr ungefähr 900 Meter (1000 yards) unten im Langerweher Tal jede Nacht auf uns zu schießen. Es feuerte lange Salven und man konnte das Mündungsfeuer sehen bevor man dann die Kugeln über uns Köpfen pfeifen hörte. Das war eine sehr unbequeme Situation für uns, und wir überlegten was wir machen könnten. Wenn jemand zum Zeitpunkt, wenn die Deutschen feuerten, eine Leuchtrakete abschießen würde, dann könnte ich mein M1 auf diese Stelle ausrichten und das Mündungsfeuer auf’s Korn nehmen. Das machten wir, und in der nächtsten Nacht als sich feindliche Schütze wieder agierte und die Leuchtrakete losging, machte ich ein ganzes Magazin leer. Natürlich wußte ich nie ob ich etwas traf, aber wir hatten aus diese Ecke nie mehr Ärger.”  [1
    Personen-Kennung I62901  Crasciniaci_20250908 ohne 20229
    Zuletzt bearbeitet am 28 Jul 2010 

  • Quellen 
    1. [S8315] Phillips, Henry Gerard, Heavy Weapons.